“Thilo und das Dach der Welt” ist ein Artikel von Sophia Welbhoff, erschienen in der Kreiszeitung Wesermarsch am 13.09.2018.

Ein Vortrag zu Thilos Leben auf dem Autodach findet statt am Donnerstag, den 25.10.2018 um 18:30 Uhr bei der “Schlauen Stunde” in der Bücherei von Bestenbostel in Nordenham. Anmeldung unter 04731 / 923040 oder per Mail an info@bestenbostel.com.

Wenn Thilo Vogel sein Bett herrichtet, dann tut er das mit wenigen geübten Handgriffen. Ein paar Verschlüsse werden gelöst, der Deckel nach oben gedrückt, schnell noch ein paar Planen fixiert. Denn Vogels Bett befindet sich in einem Zelt – genauer gesagt in einem Dachzelt, der er auf das Dach seines Autos montiert hat. Seit zwei Jahren reist der Nordenhamer bereits völlig mobil durch Europa.

Thilo Vogel geht gerne ungewöhnliche Wege. Statt „ganz normal“ in einer Wohnung zu leben, haust er in einem Ford Mondeo. Statt in einem Bett schläft er in einem Dachzelt auf dem Dach seines Autos. Statt in seinem gelernten Beruf als Ingenieur verdingt er sich lieber als Fotograf.

Mein schönster kompletter Regenbogen. Entstanden ist es im Sommer 2017 im Süden Norwegens bei Stavern.
“Mein schönster kompletter Regenbogen”, sagt Vogel von diesem Bild. Entstanden ist es im Sommer 2017 im Süden Norwegens bei Stavern.

Das erste Mal „abgebogen“ ist Thilo Vogel schon kurz nach seinem Maschinenbau-Studium. „Ich wollte schon immer selbstständig sein“, erzählt der 39-Jährige. „Als Ingenieur hätte ich mich aber nur in einer Nische selbstständig machen können und das hätte mich nicht glücklich gemacht.“ Stattdessen arbeitete Thilo Vogel also in sei- nem eigenen Fotostudio in Aachen, hatte dort Angestellte und Praktikanten und auch Fotoaufträge kamen zuhauf. Und mit ihnen ein Problem: „Die Arbeit war mir irgendwann zu viel“, erinnert sich Thilo Vogel. „Es lief gut und hat Spaß gemacht, aber es blieb einfach keine Zeit mehr übrig. Keine Freizeit und keine Wochenenden“, erzählt er.

Also besann sich Thilo Vogel auf das, was ihm besonders viel Freude bereitete – und das war das Reisen. Denn fotografieren – das kann man auch von unterwegs.

Das ist eine spannende Frage: Wie viel Besitz muss ich überall hin mitnehmen, damit ich mich wohlfühle?

Als Digitalnomade bezeichnet sich Thilo Vogel unter anderem, also als jemanden, der viel unterwegs ist und von unterwegs sein Geld verdient.

Unterwegs ist der Nordenhamer mit seinem Ford Mondeo, obwohl er sich für sein Vorhaben, mehr zu reisen, eigentlich einen Bus oder einen Camper hatte zulegen wollen. „Ich habe viel umhergewälzt“, erzählt er. Bis er feststellte, dass die Planerei ihn nicht weiterbrachte. „Ich habe angefangen, alles zu reduzieren. Ich habe das Fotostudio runtergefahren und dann beschlossen, dass ich das ja auch mit meiner Wohnung machen könnte. Und irgendwann hat alles ins Auto gepasst.“

Wintercamping am Main-Donau-Kanal nahe Nürnberg.
Bis minus 14 Grad hält Vogel es in seinem Dachzelt aus. Dieses Foto schoss er beim Wintercamping am Main-Donau-Kanal nahe Nürnberg.

Im Juli 2016 ist Thilo Vogel aus seiner Wohnung in sein Auto gezogen, ist seitdem kreuz und quer in Europa unterwegs. Rund 40 000 Kilometer legt er im Jahr zurück. Wohin es ihn verschlägt, bestimmen einerseits sein Bauchgefühl, andererseits Fotoaufträge. Mehr als zwei Tage verbringt Thilo Vogel selten an einem Ort.

Als “Heimat” bezeichnet Thilo Vogel solche Orte, an denen er sich lange wohlfühlt. Auch die Nordsee mit ihrem stürmischen Wetter und dem rauhen Klima schätzt er sehr.

Und nebenbei hat er noch bei Facebook eine Camper-Community gegründet, zu der mehrere tausend Mitglieder zählen. „Ich wollte eigentlich nur herausfinden, ob es noch mehr Verrückte wie mich gibt, die in einem Dachzelt leben“, erzählt er. Von denen gibt es zwar nur wenige, dafür aber umso mehr Menschen, die sich fürs Dachzelt-Campen begeistern. Das Interesse ist so groß, dass Thilo Vogel in diesem Jahr in der Nähe von Hannover ein Festival für die Dachzeltnomaden organisierte – zu dem rund 1800 Besucher kamen.

Geburtstags-Ausblick von meinem Camp Spot aus auf den Ruhrsee in der Eifel
Dieses malerische Panorama beschreibt Vogel als “Geburtstags-Ausblick von meinem Camp Spot aus auf den Ruhrsee in der Eifel”.

Was Thilo Vogel an seinem Leben als Dachzeltnomade besonders schätzt, ist das Gefühl von Freiheit. „Freiheit ist der Grund, weshalb ich mich so verhalte, wie ich mich verhalte“, erzählt er.

„Freiheit bedeutet für mich, jeden Tag die Richtung ändern zu können.“

Und obwohl Vogel selten länger als ein paar Wochen im Voraus plant, steht für ihn schon jetzt fest, dass er Ende des Jahres in ein neues Abenteuer aufbrechen möchte: eine Reise durch Südamerika mit einem Käfer. Und diese Reise will er mit noch weniger Besitz antreten. „Du musst nicht immer überall alles mit hinnehmen, was du besitzt“, ist der Dachzeltnomade überzeugt. Stattdessen will er sich weiter reduzieren. „Ich will ganz bewusst nur mit Handgepäck rüberfliegen und mir dort ein Auto suchen“, berichtet er von seinen Plänen. „Und dann werde ich mal schauen, wo ich lande.“

Ausführliche Informationen zu Thilo Vogel Leben im Auto gibt es am Donnerstag, 25.10.2018 ab 18:30 Uhr bei der “Schlauen Stunde” in der Bücherei von Bestenbostel. Anmeldung unter 04731 / 923040 oder www.bestenbostel.com.

"Thilo und das Dach der Welt" - Der komplette Artikel der Kreiszeitung Wesermarsch vom 13.09.2018.
“Thilo und das Dach der Welt” – Der komplette Artikel der Kreiszeitung Wesermarsch vom 13.09.2018.

Thilo

My home is a car. My bedroom is a rooftop tent, my kitchen is in the trunk and my office is located on the back seat of my 2011 Ford Mondeo station wagon. Since 2016 I am travelling all around Europe. But this is just the beginning...

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