Manchmal wird mir das ganze Social Media Ding zu viel. Einfach too much.

Manchmal habe ich das Gefühl, ich befinde mich in einem virtuellen Kaufhaus: Ein Überangebot von Ablenkungen und süchtig machendem Konsum. Viel Nützliches, aber auch unendlich viel Kram.

Nur: Diese Art des Konsums ist kein Klassischer, wie wir ihn bisher kennen. Der bestand hauptsächlich in der Anhäufung von Besitztümern.

Der digitale Konsum geht noch einen Schritt weiter.

Social Media ist ungefähr so wie Gaming. Ein Multiplayer Game ohne Game. Ohne gemeinsamen Levels und Ziele. Jeder spielt sein eigenes Spiel.

Eigentlich geht es um nichts. Nur um Views, Likes, Follower und Reichweite. Je mehr, desto besser. Eigentlich sind es nur Kennzahlen, Ziffern auf einem Display. Genau wie das Geld auf dem Konto.

Einziger Unterschied: Hinter jedem Like, jedem Kommentar und jedem Follower stecken – in den meisten Fällen – echte Menschen.
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Es ist ein Spiel um Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit. Aufmerksamkeit für mich und meine Inhalte, die ich bei anderen Spielern im Spiel bekomme.
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Dazu ein Algorithmus, der auf Grundlage der Interaktion mit meinen Inhalten selbigen bewertet und es berechnend unter den anderen Spielern weiter verteilt.

Es ist ein Spiel mit den Grundbedürfnissen nach “gesehen werden” und “bestätigt werden”. Das Ego füttern. Durchaus normal. Jeder braucht das. Der eine mehr, der andere weniger.
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Und es funktioniert. Sehr gut sogar. Die Plattformen boomen.

Mach guten Content und du wirst belohnt. Und weil Belohnung gut tut, will man mehr. Ein sich selbst fütterndes System: Mit welchen Inhalten kann ich noch mehr Menschen erreichen?
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Aber es geht noch weiter: Follower und Reichweite sind nicht nur nackte Zahlen, sondern bedeuten am Ende auch Einfluss, Macht und Geld: Influencer – das neue Spielfeld der Werbeindustrie.
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Alles cool. Solange es einem gut tut.

Die Fragen ist: Wo hört “gut” auf und wo fängt “zu viel” an? Und: Wie viel ist “zu viel des Guten”?

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Hier gibts noch mehr zum Thema Minimalismus

Thilo

My home is a car. My bedroom is a rooftop tent, my kitchen is in the trunk and my office is located on the back seat of my 2011 Ford Mondeo station wagon. Since 2016 I am travelling all around Europe. But this is just the beginning...

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2 comments

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  • Schön geschrieben. Das Du Social Medien mit Gaming vergleichst ist ein interessanter Aspekt.
    Ich bewege mich in den sozialen Medien (noch) wenig und zu Gaming habe ich keinen Zugang. Das kann ich also nicht beurteilen, hat aber bestimmt Parallelen.

    Ich finde soziale Medien gaukeln einem eine meist einseitige Nähe vor. Ich meine Dich ganz gut zu kennen, weil ich Deine Artikel gerne lese, viele Dachzeltnormaden Lives angeschaut habe, dein Leben seit 3 Jahren digital “verfolge”. Du bist mir vertraut.

    Umgekehrt dagegen kennst Du von mir nichts. Obwohl ich schon viel mit Dachzelt durch die Gegend fuhr, als Du noch nicht wußtest was das ist. 😉 Irgendwie ziemlich ungleicher Informationsstand. Und ungut für menschliche Kommunikation, wenn die Waage so stark in eine Richtung ausschlägt.

    Wenn wir uns physisch treffen würden, was wir auch einmal taten, kommt dieser völlig ungleiche Informationsstand voll zur Wirkung. Es wird und kann kein Gespräch auf Augenhöhe geben.

    Das ist natürlich bei digital sozialem Austausch von Freunden und Bekannten nicht so krass. Aber irgendwie ist jeder digitale soziale Beitrag doch erstmal ein Monolog, finde ich. Vielleicht will man auch gar nicht den Dialog. Nicht, dass noch jemand widerspricht und man sein schnell dahin gesagtes noch mal reflektieren und ggf. anpassen muss. 😉 Wie Du schon schreibt, der Lohn und Motivation sind oft Anzahl von Likes, Zugriffszahlen, etc.

    Für mich sind soziale Medien in erster Linie Unterhaltung. Selten, und du bist das eine Ausnahme, ist es auch mal interessanter Inhalt zum Nachdenken.

    Mit meinem Kommentieren breche ich den Monolog etwas auf – oder starte einen zweiten.

    Danke für Deine interessanten Gedanken, die Du immer wieder teilst.

    • Hey Martin, vielen Dank für deinen lieben Kommentar und Danke für das Aufbrechen des Monologes 🙂

      Ja, du magst Recht haben, dass es in einem einseitig vorkommt. Das hat aber glaube ich schlichtweg mit der Tatsache zu tun, dass der eine mehr sendet und der andere mehr empfängt. Theoretisch hat ja jeder die Möglichkeit, sich in das “Gespräch” einzubringen. Klar, “nur” in Form eines Komentares oder einer Nachricht. Aber immerhin.

      Das schwierige für mich es noch etwas anderes: Ich bekomme die Personen mit denen ich schreibe, nicht immer mit den echten Gesichtern vor Ort verknüpft (Manche Profile sind leer oder nicht so aussagekräftig). Das ist ein krasses Phänomen. Ich weiß nicht, wer sich hinter den Usernamen verbirgt. Da hat der andere einen Informationsvorteil. Bzw. ich einen Informationsnachteil 😉 Und das schafft manchmal ein Ungleichgewicht beim realen Treffen.

      Das ist übrigens auch eine neue Erscheinung. Diese Möglichkeit der direkten Interaktion, wie sie auf Socail Media passiert, gab es vorher nicht. Das heißt, früher konntest du jemandem, den du im Fernsehen gesehen hast, keine Nachricht schreiben oder ihn/sie verfolgen. Da war das Ungleichgewicht noch viel größer…

      Dieses Überangebot an Menschen, die mit dir persönlich in Kontakt treten, ist im übrigen auch extrem gestiegen. Ganz ehrlich: Das überfordert auch an der einen oder anderen Stelle. Dabei den Überblick zu behalten ist nicht einfach….

      Aber ich kann sehr gut nachvollziehen, was du meinst…

      Bin gespannt, wie es ist, wenn wir noch einmal aufeinander treffen. Dann darfst du mich noch mal auf den neusten Stand bringen und mich an diese Konversation erinnern.

      Liebe Grüße vom Dach,
      Thilo

Thilo

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